Gedichte – Andreas Chilinski

Andreas C.

Hör nicht auf

Hör nicht auf

.

.

Was and're denken,

was sie an Wert

erachten,

wovon sie

schwärmen,

sich erwärmen,

die Wahrheiten,

die sie fanden,

die Gewissheiten,

die sie haben,

in denen sie

sich laben,

hast du

durchschaut,

sie sind

dir fremd,

sie sind

dir fremd!

.

Ihren Humor

- Lachen,

Sprüche klopfen -

magst du nicht,

Geselligkeit,

Spiele:

an solchen

Orten

fühlst du dich

verloren.

Du stehst

am Rande.

Dunkler Wald

ist dir

Erholung.

Wege, die sie

suchen,

meidest du.

Rehe und Wölfe

sind deine

Gefährten.

.

Wo man

in gepflegten

Gärten

Rosen hegt,

bestaunt,

siehst du

den Löwenzahn,

erfreust dich

am wilden

Kraut.

Dich schmerzt

die missbrauchte,

vom Menschen

entartete Natur.

Und wo sie

selbst Menschen

missachten,

verstehst du

und lächelst

jenen zu.

.

Die ach so

Bürgerlichen,

Wissenden,

Hochgelobten:

Ihre Reden

sind deine

nicht,

und auch

ihr Weben

ist nicht

deines.

.

Wenn sie

glauben

- ach, glauben -,

da beginnst du

zu fragen.

Wo Sonne ist,

da siehst du

Schatten.

Und wo sie

Dunkel seh'n,

da siehst

du Licht.

Wo sie hassen

und sich nach dem

Leben trachten,

da fängst

du an

zu lieben,

da fängst

du an

zu lieben!

.

Hör nicht auf,
ja, hör nicht auf,

du selbst zu sein!
Hör nicht auf,

dich zu

bewahren,

dich zu

verschenken!

Vertrau,

vertrau darauf:

So wie du bist,

genau so

wie du bist,

bist du

gemeint!

Auch wenn es

wehtut,

richtig wehtut,

wenn niemand

dich versteht,

jeder dir

aus dem

Wege geht,

wenn man

dich meidet,

dir dein Du,

dein Leben

neidet:

.

Hör nicht auf,
hör nicht auf,

hör niemals auf,

du selbst zu sein!

So wie du bist,

mit deinem

Namen,

mit deinen

Narben,

mit jedem

einzelnen

Mangel,

mit deiner

gebrochenen

Vita,

deinen

Grau'n,

deinen

Träumen,

deinen

Ängsten,

Fantasien,

Begierden

und Lüsten,

bist du

vom Schöpfer,

vom Kosmos,

vom Himmel,

vom Leben,

so wie du bist,

d u  s e l b s t

gemeint!

.

Hör nicht auf,
hör nicht auf,

hör niemals auf,

du selbst zu sein,

dich zu bewahren,

dich zu verschenken!

.

Hör auf,

zu fragen,

zu grübeln,

zu raten,

dich

zu sorgen,

zu plagen:

So wie du bist,

genau so,

wie du bist,

bist du

gemeint!

Auch

wenn es

wehtut,

richtig

wehtut:

Lass dich

gescheh'n!

Hör nicht auf,

so wie du

bist,

mit vollen

Händen

dich zu

verschenken!

.

Du bist

das Zentrum,

das Herz

und der Puls!

Du bist

die Quelle

und der Ozean,

das Wasser

und das Feuer,

der Regen

und der Wind,

der Boden,

auf dem

alles steht

und sich

um dich dreht!

Du bist

die Luft,

der Sauerstoff!

Du bist

der Nordpol

und der Südpol,

die Sonne

und der Mond!

Du bist

der Morgen

und der Abend,

der Tag

und die Nacht!

Du bist

die  W e l t ,

denn es gibt

nur diese eine -

d e i n e !

.

Hör nicht auf,
du selbst zu sein!

Hör nicht auf,

hör niemals auf,

du selbst zu sein!

Du bist geworden,

du bist da!

N i c h t s  ist mehr,

wenn d u gehst;

wenn du vergehst,

vergeht die Welt!

Drum hör nicht auf,

mit vollen Händen

dich zu verschenken,

dich zu verströmen,

den Raum zu füllen,

d a zu sein,

in allem,

in jedem,

dein Ich

zu wesen!

.

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2.5./3.5./4.5/9.5./15.06.2016, 24.10./9.11.2021

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nach Sarah Connor Mit vollen Händen

(Album: Muttersprache)

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Sarah Connor (*13.06.1980)

Mit vollen Händen

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