Wirklichkeit
Flüsse treten über die Ufer
Meere überschwemmen das Land
Unwetter
Berge stürzen ein
Geröll
Verschüttete Städte
Vulkane brechen aus
Feuerspeien überall
Heiße Lava wälzt sich die Hänge hinab
Überall Verderben
Blitze
Donnergrollen
Orkan
Ohrenbetäubendes Tosen
Keine Rettung
Grauen überall
Überall Verderben
Keine Errettung
Kein Happy End
Niemand der da ist
Wirklichkeit
Kein Albtraum
Niemand der da ist
Allein
Inferno Infernale
Niemand der da ist
4.11.2021, 13.11.2021: minimale Korrektur
Die Verse entstanden, als ich mich bei Musik - Berlioz: Requiem, Mahler und Bruckner: Sinfonien (laut gehört) - ganz meiner Stimmung hingab. Ich dachte an meine seit vielen Jahren "ziemlich beste Freundin", L. M., die im Altenheim 101-jährig altersdement in Endstufe seit Tagen am Tode lag (†7.11.2021). Und ich dachte an mich. Passendere Titel wären zwar Allein und Niemand (,) der da ist, ich bin aber bei dem Impuls, den ich bei der Niederschrift hatte, geblieben. Allein / Niemand (,) der da ist war die (letzte) Wirklichkeit von L. M. - und ist meine (letzte) Wirklichkeit. Selbstverständlich ist, wenn man nicht wirklich eremitisch=menschenfern lebt, gewöhnlich niemand ohne Sichtkontakt eines Menschen, ohne Begegnungen/Gespräche. Auch kann man ja - wenn man kann - jederzeit Kontakt suchen. Letzten Endes - zuletzt - aber, jedenfalls in vielen Situationen, ist man mit seinen Gefühlen, oft auch mit seinem Denken, doch allein - hat nur sich selbst. Mag sein, dass es andere Wirklichkeiten gibt - L. M.'s war es meiner Wahrnehmung und Einschätzung nach zum Zeitpunkt der Niederschrift (auch wenn sie in der Obhut des Altenheim-Personals war und Besuch hatte), wenn sie überhaupt noch ihre Situation selbstreflexiv erfassen konnte, nicht, und auch meine war es nicht, vielleicht vollumfänglich noch nie, ist es nicht und wird es wohl auch nie sein.
(14./15.11.2021, 29.04.2023: Austausch "natürlich" > "selbstverständlich" und "Verszeilen" > "Verse")