Das Glück der Geliebten
in memoriam S.
Er wusste nur vom Glück,
was alle wissen:
dass es, wenn es geht und nimmt,
schmerzhaft in das Stumme stößt.
Als aber SIE, nicht arg und böse,
von ihm fortgegangen,
leise, ganz leise
aus seinen Augen ausgelöst,
hinüber zu schön'ren Freuden
entschwebte wie ein Hauch,
wie ein Schmetterling,
der weiterfliegt,
als er fühlte, dass sie - dort nun -
wie Sonne sich in sich selbst
trunken ihres Lichts und Glücks
badete und erblühte,
da wusste er mehr als alle wissen,
nämlich dass jenes,
das ferne ihm verwehrte,
sich eins mit ihr ihm entzogene,
das IHR gebührende
immersüße Wohltuende
sein Neues -
einzig Wahres, Weltenfernes,
Bittersüßes,
fortan Stummes - ist.
Und er ließ es ihr
zu ihren Füßen.
Und sorgte sich
und ebnete ihr den Boden.
Knieend, ja liegend
auf seiner Brust, auf seinem Herzen,
kehrte er mit seinen bloßen Händen
den Staub vor jedem
ihrer Schritte ........
19.12.2013, 19/20.02.2018, nach Rainer Maria Rilke Der Tod der Geliebten
Rainer Maria Rilke (*4.12.1875, †29.12.1926)