Gedichte – Andreas Chilinski

Andreas C.

Das Glück der Geliebten

Das Glück der Geliebten

in memoriam S.

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Er wusste nur vom Glück,

was alle wissen:

dass es, wenn es geht und nimmt,

schmerzhaft in das Stumme stößt.

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Als aber SIE, nicht arg und böse,

von ihm fortgegangen,

leise, ganz leise

aus seinen Augen ausgelöst,

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hinüber zu schön'ren Freuden

entschwebte wie ein Hauch,

wie ein Schmetterling,

der weiterfliegt,

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als er fühlte, dass sie - dort nun -

wie Sonne sich in sich selbst

trunken ihres Lichts und Glücks

badete und erblühte,

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da wusste er mehr als alle wissen,

nämlich dass jenes,

das ferne ihm verwehrte,

sich eins mit ihr ihm entzogene,

das IHR gebührende

immersüße Wohltuende

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sein Neues -

einzig Wahres, Weltenfernes,

Bittersüßes,

fortan Stummes - ist.

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Und er ließ es ihr

zu ihren Füßen.

Und sorgte sich

und ebnete ihr den Boden.

Knieend, ja liegend

auf seiner Brust, auf seinem Herzen,

kehrte er mit seinen bloßen Händen

den Staub vor jedem

ihrer Schritte ........

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19.12.2013, 19/20.02.2018, nach Rainer Maria Rilke Der Tod der Geliebten

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Rainer Maria Rilke (*4.12.1875, †29.12.1926)

Der Tod der Geliebten

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