Liebeslied*
Wo der Sonnenschrei
verhallt
der Kuckuck mit seinen Flügeln
strahlt
wo Bäume laufen
und die Schmetterlinge
sich lieben
im Sitzen
da wohnst du
Alle Wolken singen dir Lieder –
Mein warmes Lechzen
meine Hände
in der Spirale des Wirbelsturmes
Alles laufende Rot
versickert im Vulkangestein
Wann brichst du
bebst auf
erzitterst den Tag mit Aschenwurf?
Doch noch diese stille See
die sich ihr Bild sucht
mich spiegelt
und unendlich befreit
aus den Gefängnissen endlosen
Denkens
dem ewigen Suchen
Nun bist du erobert
Land der Sonnenblumen
In meiner Nähe
Denk an den Lärm
der dich nicht zerreißen soll
Dein Ohr
Sieh!
Die Flügelschläge die das gewaltige Massiv
deines Lebens benetzen
Zerbreche nicht!
An den eigenen Fragen
Frage nicht!
Nach der Synthese der Blätter
die dir Sauerstoff schenken am Tag
Gieße mich!
Halte die Fläche deines Wassers –
Aller Strom erlischt
wenn die Spiegel brechen
und eine Fratze löscht das Paradies
Die Räder die sich drehen
und dich tragen
Die Hände
die alle Fenster öffnen
in das Heimatland
Frage nicht!
Denk an den Lärm!
Der dich nicht zerreißen soll
Denk an mich!
Nur an mich –
In deinem Leben lebt das Jahr
in deinen Ohren
das Paradies
und ich in dir
In diesem Land schwarzer Kiesel
die mich stechen
und blutig reißen
Ich in dir
Dem Land der
fahrenden Füße
der schlafenden Ohren
Decke mich zu!
Mit deinen träumenden Händen
Decke mich zu!
26.07.1999, 31.07.2016: Titel/Zeichensetzung/Absätze
Für Tanja M. (einer querschnittsgelähmten = auf einen Rollstuhl angewiesenen Frau) zum Geburtstag; wenn ich recht erinnere, waren wir uns nie begegnet.
* Anmerkung 17.11.2019: Das Gedicht ist überwiegend ich-zentriert. Der Titel passt nach meiner heutigen Erkenntnis nicht, wenn man ihn auf mich, d. h. auf meine Liebe bezieht; ich glaube, so habe ich ihn damals gemeint; aber ich lasse ihn unverändert, da er meinen damaligen Gefühlen und meinem damaligen Denken entspricht. Ihn zu verändern, hieße das Gedicht verändern.