Gedichte – Andreas Chilinski

Andreas C.

Liebeslied

Liebeslied*   

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Wo der Sonnenschrei

verhallt

der Kuckuck mit seinen Flügeln

strahlt

wo Bäume laufen

und die Schmetterlinge

sich lieben

im Sitzen

da wohnst du

Alle Wolken singen dir Lieder –

Mein warmes Lechzen

meine Hände

in der Spirale des Wirbelsturmes

Alles laufende Rot

versickert im Vulkangestein

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Wann brichst du

bebst auf

erzitterst den Tag mit Aschenwurf?

Doch noch diese stille See

die sich ihr Bild sucht

mich spiegelt

und unendlich befreit

aus den Gefängnissen endlosen

Denkens

dem ewigen Suchen

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Nun bist du erobert

Land der Sonnenblumen

In meiner Nähe

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Denk an den Lärm

der dich nicht zerreißen soll

Dein Ohr

Sieh!

Die Flügelschläge die das gewaltige Massiv

deines Lebens benetzen

Zerbreche nicht!

An den eigenen Fragen

Frage nicht!

Nach der Synthese der Blätter

die dir Sauerstoff schenken am Tag

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Gieße mich!

Halte die Fläche deines Wassers –

Aller Strom erlischt

wenn die Spiegel brechen

und eine Fratze löscht das Paradies

Die Räder die sich drehen

und dich tragen

Die Hände

die alle Fenster öffnen

in das Heimatland

Frage nicht!

Denk an den Lärm!

Der dich nicht zerreißen soll

Denk an mich!

Nur an mich –

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In deinem Leben lebt das Jahr

in deinen Ohren

das Paradies

und ich in dir

In diesem Land schwarzer Kiesel

die mich stechen

und blutig reißen

Ich in dir

Dem Land der

fahrenden Füße

der schlafenden Ohren

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Decke mich zu!

Mit deinen träumenden Händen

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Decke mich zu!

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26.07.1999, 31.07.2016: Titel/Zeichensetzung/Absätze

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Für Tanja M. (einer querschnittsgelähmten = auf einen Rollstuhl angewiesenen Frau) zum Geburtstag; wenn ich recht erinnere, waren wir uns nie begegnet.

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*Anmerkung 17.11.2019: Das Gedicht ist überwiegend ich-zentriert. Der Titel passt nach meiner heutigen Erkenntnis nicht, wenn man ihn auf mich, d. h. auf meine Liebe bezieht; ich glaube, so habe ich ihn damals gemeint; aber ich lasse ihn unverändert, da er meinen damaligen Gefühlen und meinem damaligen Denken entspricht. Ihn zu verändern, hieße das Gedicht verändern.

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