Die einzige Feier
(am Geburtstag 2020)
I.
Am Tag des
Gedenkens des Gewordenseins
- des von der Bedeutung
und Wirkung dunkelsten Tages -
wäre Gestorbensein
- der hellste Tag -,
Feier ohne mich,
der einzige Grund zur Feier.
II.
Nur ein altes Mütterlein
- eine Hundertjährige -,
deren Blut nicht das ist,
das mich belebt,
belebt meine
Nichtfeier heute,
und benetzt
- wenn sie dann noch ist -
jene einzig wahre, triumphale,
jedoch mir nicht mögliche
Feier morgen.
― Komm, sel'ges Nun!*
Meines bist du.
III.
Hab' ich nicht früher
- aus diesem
und jenem Grund -
gefeiert?
Doch, doch,
das ein und andere Mal.
Aber lang her,
und ich war ein anderer.
Ich dachte wie die meisten.
Ich hatte noch nicht
den richtigen Blick.
23.03.2020, in der Frühe vor dem Aufstehen
* Vers abgeleitet von "Komm, sel'ge Ruh'!",
Johann Sebastian Bach Komm, süßer Tod, BWV 478,
Textdichter unbekannt
Das alte Mütterlein, die Hundertjährige, war L. M. (*17.01.1920, †07.11.2021), siehe