Gedichte – Andreas Chilinski

Andreas C.

Du: Wer bist du?

Du: Wer bist du?

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Süß und scharf!

Wechselspiel! Wechselspiel!

Lebenskonfetti,

bunt und viel,

Bruchstücke,

Gedankenschnipsel.

Wofür?  V o n  wem?

Momente, Momente!

Augenblicke des Jetzt

im vergehenden Hier.

Wer sind wir?

Und warum?

Und wer bist du?

Und was ist dein Ziel?

Wofür?  F ü r  wen?

In einer nichtigen Zeit,

die  m e h r ?  als Nichts ist,

angesichts des Gestern vor dir

und des Morgen nach dir.

Was machst du?

Wirkst du, webst du?

Am Unvergänglichen

für den und die,

die nichts sind,

angesichts des

Gestern vor ihnen

und des

Morgen nach ihnen?

.

Wer bist du?

Was macht dich aus?

Auf der Insel der

Lebenden,

kurz vor der

immerwiederkehrenden

sintflutgleichen Flut

im Meer des Todes.

Freust dich, lachst,

leidest, bangst,

hoffst, sorgst,

trauerst,

wähnst dich in Sicherheit,

zweifelst, hast Angst,

b i s t , weil du denkst,

all dieses,

und dass du bist -

und  w e i ß t  nicht einmal,

dass er und sie

und alle um dich

und in deinem Denken

wirklich sind,

dass dein Fleisch

Fleisch ist,

Berührung

wirkliche Berührung,

deine Kleidung

Kleidung deines Körpers,

und deine Wohnung

aus Holz oder Stein.

.

Wer bist du?

W e i ß t  nicht, ob es dich

- jenseits des Glaubens -

gibt, und denkst doch,

dass alles

und alles und alles,

alles so wichtig ist,

so bedeutend,

lebenswert, auskostwürdig,

auskostpflichtig.

Hier und da,

"Ich muss..." und

"Es muss sein...".

Kein Aufschub, kein Aufschub!

.

Wer bist du?

Auf dieser winzigen

kleinen Insel

im Zeitenmeer der Gewesenen

und Bald-nicht-mehr-Seienden.

Geboren?

Und wenn ja:

Warum?

Und vor allem:

Wozu? -

Und  w a r u m  und  w o z u ,

ausgerechnet

in genau

dieser Zeit und Kultur,

in genau

diesem Land

und

in genau

deinem Stand,

bist du geboren,

g l a u b s t  du

geboren worden

zu sein?

Götter vor dir,

nach dir,

über dir!

Jeder sagt dir,

früh schon,

was du darfst

und was du sollst,

was "gut" ist,

und was "böse",

und wie es ist,

in dieser Welt,

wie sie funktioniert,

tickt, entstand

und wird.

Wirrwarr, Wirrwarr!

Kopf voll!

H i e r  ist Gott,  d a  ist Gott!

Hier? Da?

Tohuwabohu des Wissens,

Apokalypse des

"Wird werden"!

.

Und du?

Nun du,

in deinem Ich

d e i n e s  Reiches,

oder, in "Größenwahn",

als - kleines - x,

Zähler im Bruch,

dessen Nenner

die Summe all jener ist,

die neben dir leben

und vor dir

gelebt haben

und nach dir

leben werden,

die alle sind,

waren

und sind und sind

und werden,

mit deiner Anmut,

deiner Größe,

deiner Bedeutung, Macht,

mit der Wortgewalt

deines Sprachgesangs,

deinem Hören

- so wichtig dein Rat,

so erbaulich, förderlich,

nützlich, nachgefragt,

gewünscht, erbeten -

du, mit

deinem ganzen Sosein,

mit deinem Dasein

in der Welt

auf deiner kleinen Insel,

in  d e i n e r  Welt,

auf deiner

W e l t i n s e l ,

für ihn, für sie,

für alle, die du

siehst,

für mich:

Wer bist du?

.

.

11.04./12.04./14.04./16.04.2016

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"Du: Wer bist Du?" ist ein philosophischer Blick auf das Leben, konkret auf das Dasein des Ich und die Fragen, die sich jedem Ich stellen müssen (wenn es sich denn mit seinem Dasein auseinandersetzt).