Gewalt der Stille
Wir sind so sehr verraten,
von jedem Trost entblößt,
in all den wirren Taten
ist nichts, das uns erlöst.
[Erlösung ist in Gott,
Wunder gescheh'n immer wieder,
in diesem Treiben, wenn man glaubt,
kommen Engel hernieder.]
Wir sind des Fingerzeigens,
der plumpen Worte satt,
wir woll'n den Klang des Schweigens,
das uns erschaffen hat.
[Wir woll'n den Himmel offen seh'n,
die Macht des Sohn's am Kreuz erahnen,
den Sinn des Lebendseins versteh'n,
der ew'gen Liebe Wege bahnen.]
Gewalt und Gier und Wille
der Lärmenden zerschellt.
O komm, Gewalt der Stille,
und wandle du die Welt.
[In ihm, in ihr, in dir:
Wandle die Welt!
In jedem hier, in mir:
Wandle die Welt!]
Werner Bergengruen (*1892, †1964)
[Andreas Chilinski (*1963)]
Niederschrift unbekannt (Erstellungsdatum der ersten noch vorhandenen Datei: 8.1.2016; sie muss aber vor Februar 2014 erfolgt sein), 12.12.2023: kleine Änderung vorletzte Strophe und letzte Strophe "Wandle" groß