Gedichte – Andreas Chilinski

Andreas C.

Bald

Bald

.

.

B a l d  gewelkt der Welt -

und den Menschen

immer mehr entfremdet -

werd' ich mich laben,

nichts mehr haben

als allein den Gewinn,

gewesen zu sein.

Endlich entrückt,

vollkommen aufgehend

im trostvollen,

friedumhüllenden

erquickenden Nichts -

das mehr,

schöner ist,

als das Geringste

eines Etwas,

das schön

und wohltuend

sein kann.

.

E n d l i c h  kommt der Tag

ach, käme er bald,

der Tag des großen Nun!

In dem aufgeht,

was gewesen,

sich vollendet

in dem allerherrlichsten

aller herrlichen Momente.

Dem ersten und letzten,

dem unendlichen,

der auf das letzte

Wissen folgt -

dem Blick

vom Gipfelkreuz

hinab ins Land

der Seienden.

.

A c h , wär' ich

schon gewesen,

hätte genug gestritten,

gelitten,

für die ganz und gar

überflüssige

Sinnlosigkeit,

die man Leben

nennt

und das,

zum Zwecke

der Nichtverzweiflung,

"sinnvoll"

und "Gnade Gottes"

und "großes Glück".

Und, damit nicht genug,

es über sich selbst

erweitert auf ein

Leben nach dem Leben.

.

A c h , du arme Kreatur,

bist geschaffen.

In Lust?

In Geilheit?

Gewünscht?

Gegen den Willen?

Von Menschen,

die dabei

wie Tiere

sind -

schnaubend /

stöhnend /

geifernd,

die Krone

der Schöpfung,

die sie sonst

sein wollen,

ganz vergessend.

Und nun du:

ein Tier!

Das sich

niedere Tiere

hält,

sein eigenes

Tier-Sein

leugnet,

sich Götter kreiert

und ein Reich,

in dem es mit ihnen

selbst Gott ist.

Und auch du,

ja du,

der du

bescheiden bist,

dich nicht

über andere Tiere

erhebst

und keine isst,

dich nicht in

Jenseitsvorstellungen

flüchtest:

bist auch nur

das gewollte

oder ungewollte

oder gewollte und ungewollte

Produkt eines gewollten

oder ungewollten

oder gewollten und ungewollten

tierischen Triebes!

Die Folge nur

unerstickbarer,

überschäumender

Lust oder Gewalt.

Nicht mehr -

nichts Weiteres

und Größeres

und Höheres.

Ein ganzes Leben

wegen einiger

Sekunden / Minuten

der Lust -

aufgrund eines

singulären Willens

der Kreaturen,

die du,

wenn du sie

überhaupt kennst,

Vater und Mutter

nennst,

und doch,

wie jedes

Lebewesen,

das du liebst,

nie vollkommen

ergründen wirst.

.

.

20./21./22./23.10.2017

.

.

Nach Uwe-Andreas Vogt (*1.3.1958, †26.05.2023):

.

Wie welk ich dahin

Meine Beine lahmen

Jemand zimmert einen Sarg

.

(2017)

.