Gedichte – Andreas Chilinski

Andreas C.

Über mich

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Über mich

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Triptychon

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Ich bin für die Wenigsten.a

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Mein roter Faden ist grün.b

(Manchmal jedenfalls.c)

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Ich bin niemandes.

(Derzeit jedenfalls und wohl auch bis zu meinem Tod.)

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Geboren im März 1963 in Bochum.

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Gymnasium bis Klasse 10. Ausbildungen und Abschlüsse: Verkäufer (Foto, Uhren) und Einzelhandelskaufmann. 15-monatige Wehrdienstpflicht.

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Danach, von 8/1984 bis 3/2003, ausschließlich Verkaufstätigkeiten, von 10/1986 im Außendienst, von 1/1989 Verkaufsaußendienst in der Medizintechnik. Ende der letzten sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit in 3/2003 (aufgrund arbeitsgerichtlich erfolgreich angefochtener fristloser Kündigung).

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Von 4/2005 bis 6/2023 Hartz IV / Bürgergeld. Aufgrund der gesundheitlichen Folgen des langjährigen Hartz-IV-Bezuges rückwirkend seit 1/2020 volle Er-werbsminderung auf Dauer (Rentenhöhe auf Bürgergeldniveau).

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Verheiratet von 1/1987 bis 7/2002, zwei Kinder (*1990, *1994); seit 11/2007, dem Ende meiner letzten Partnerschaft, zurückgezogen allein lebend.

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Lyrisches Schreiben seit Dezember 1980 (17-jährig).

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Seit 2008 (45-jährig):

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Beschäftigung - Denken, Lesen, Schreiben - mit philosophischen, anfangs auch religiösen/theologischen/ religionswissenschaftlichen, insbesondere christlichen Fragen, den sogenannten "letzten Dingen": Sein/Da-Sein/So-Sein, Wirklichkeit/Wissen, Willensfreiheit, Liebe, Dualismus (geistige Welt / materielle Welt), Gott, Tod.

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Von 4/2013 bis 4/2018 Teilnahme an philosophischen Seminaren der Universität Bremen.

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Viele unvollendete philosophische Aufsätze. "Schopenhauerianer"d, "Rothianere".

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Drei übergeordnete Überzeugungen - sozusagen Meta-Überzeugungen - mögen meine etwa seit dem philosophischen Studium bestehende Weltsicht verständ-lich machen.

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Die erste ist:

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Es wäre besser, ich wäre nicht geboren = ich würde nicht sein! Allgemein formuliert: Es wäre besser, niemand wäre je geboren = niemand würde sein! "Denn im Grunde", so Arthur Schopenhauer, "ist doch jede Individualität nur ein specieller Irrthum, Fehltritt, etwas das besser nicht wäre, ja, wovon uns zurück-zubringen der eigentliche Zweck des Lebens ist."f "Demnach ist allerdings das Daseyn anzusehen als eine Verirrung, von welcher zurückzukommen Erlösung ist: auch trägt es durchweg diesen Charakter."g

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Umfassender: Es wäre besser, es gäbe kein Bewusstsein = nichts hätte Bewusst-sein!

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Am umfassendsten: Es wäre besser, es gäbe rein gar nichts! Das wäre das Aller-beste!

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Die zweite ist:

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Es ist gut, wenn ich möglichst wenig brauche! "Was es alles gibt, das ich nicht brauche!"h Allgemein formuliert und radikal = in höchster Vollendung: Am besten ist es, gar nichts mehr zu brauchen!i (Diese Meta-Überzeugung führt zurück zur ersten.)

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Die dritte ist:

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Mein einziges Wissen ist, dass ich bin! "Cogito ergo sum! [Ich denke, also bin ich!]"j Alles über "Cogito ergo sum" hinausgehende "Wissen" beruht bereits auf Annahmen, ist also tatsächlich kein Wissen, also auch was bzw. wie ich bin und ob es Sie und diese Website und die ganze Welt überhaupt gibt.j k

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Nachwort:

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Hätte ich nicht erlebt, was ich erlebt habe, also z. B. weiterhin, wie bis 3/2003, ein gutes Einkommen gehabt, würde ich anders auf das Leben sehen, so wie z. B. Sie, jedenfalls nicht wie Schopenhauer? Sicher!

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Aber ist Ihre Weltsicht dichter an der Wirklichkeit? Z. B. an der Wirklichkeit, dass wir die Wirklichkeit nicht feststellen können?

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Meine möglicherweise richtige Überzeugung ist ohne Belang, weil eine nicht skeptizistische, nicht pessimistische Weltsicht, selbst wenn sie "Blick durch die pinke Brille" ist, deutlich vorteilhafter - sinnvoller - ist, weil sie das Leben erleichtert, fröhlich sein lässt? Vielleicht! Aber ich kann meinen angeborenen und unveränderlichen Charakter (Schopenhauer) und was mich geprägt hat, nicht wie einen Mantel ablegen, und meine Überzeugungen nicht ignorieren!

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Ohnehin lebt jeder in seiner eigenen Welt – weil Wahrnehmung eben kein Wirklichkeitsgarant ist, siehe meine dritte Meta-Überzeugung, und weil die Welt, wie Schopenhauer richtig festgestellt hat, ein individuelles Gehirnkonstrukt ist, demzufolge nicht mehr als bloße Vorstellung. Dies auch, weil, wie die Neuro-biologie inzwischen weiß, das Gehirn wenn wir, so es Sie denn überhaupt als selbstdenkendes Wesen gibt, tatsächlich ein Gehirn haben, also aus Fleisch und Blut sind keine Außenverbindung hat, sondern lediglich die in elektrische oder kombiniert elektrisch-chemische Signale umgewandelten Sinnesdaten auf Basis seiner bisherigen Interpretationen der in elektrische oder kombiniert elektrisch-chemische Signale umgewandelten Sinnesdaten interpretieren kann. Nicht nur "kommt" "[…] das meiste von dem, was wir sinnlich erfahren, gar nicht von den Sinnesorganen […], sondern aus unserem sensorischen und kognitiven Gedächt-nis, […] nehmen wir die Welt" also "größtenteils durch die Brille unserer Erfahrung wahr […]", sondern "[d]ie Sinnesrezeptoren arbeiten" zudem nur "selektiv", das heißt sie reagieren nur auf bestimmte und oft winzige Ausschnitte aus dem Gesamtspektrum physikalisch-chemischer Umweltereignisse".m Und mein Gehirn ist nun mal nicht Ihr Gehirn – auch weil mein Leben nicht Ihr Leben ist!

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Ich bin ich, und diese hier sind meine Gedichte! – Die meisten sind freilich zeitlich vor meinen drei Meta-Überzeugungen geschrieben.

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Ausführlichere biographische Eckdaten

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Anmerkungen

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a Nach Friedrich Nietzsches erstem Satz im Vorwort zu Der Antichrist: "Dies Buch gehört den Wenigsten." (Friedrich Nietzsche Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum., "Vorwort", Deutscher Taschenbuch Verlag / de Gruyter, Kritische Studienausgabe Band 6, Neuausgabe 1999 / 11. Auflage 2014, S. 167, aus: Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke, Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Verlag de Gruyter 1967 ff., 2. Auflage 1988)

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Tale Inger Ulbrich, Überschrift: Unerwartet, aus: Aus schwangeren Laternen, Geest-Verlag 2011

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Sofern ich die Aussage in Bezug zu der von Ulbrich gewählten Überschrift in Bezug setze, also, diese eine ihrer vielen Deutungsmöglichkeiten auswähle. Seit ich diesen Satz gelesen habe, habe ich ihn nicht vergessen. Auch faszinieren mich die vielen Deutungsmöglichkeiten.

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d Für mich ist Schopenhauer (*22.02.1788, †21.09.1860) immer noch der beste Welt- und Lebenserklärer – auch wenn 1. zu berücksichtigen ist, dass sein "Wissensstand" der der Mitte des 19. Jahrhunderts ist, einige seiner Fürwahrhaltungen also nicht heutigem "Wissen" entsprechen können, 2. Schopenhauer das ein und andere "Faktum", das für uns heute (!) - das kann sich ändern - eben dieses ist, nicht für möglich hielt, so insbesondere die zu Themenbereichen der Neurobiologie und der Quantenphysik, und 3. ich sehr vereinzelte Meinungen und Begründungen (so wie sie nachlesbar sind, also ohne die leider nicht mehr mögliche weitere Erklärung Schopenhauers) nicht teile oder nachvollziehen kann. Ich bin jedoch sicher, dass ich, würde er noch leben und mir ein Gedankenaustausch mit ihm möglich sein, diese verstehen würde - oder er sich korrigieren bzw. ergänzen, also heutiges Wissen nicht leugnen, sondern seine Aussagen anpassen und seine Erklärung der Welt und des Lebens nicht auch nur im Kleinsten zurücknehmen und neuschreiben müsste. (Zu "…" siehe meine dritte Meta-Überzeugung!)

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Gemeint: der Neurobiologe und Philosoph Gerhard Roth (*15.08.1942, †25.04.2023).

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f Arthur Schopenhauer (*22.02.1788, †21.09.1860) Die Welt als Wille und Vorstellung, Gesamtausgabe Deutscher Taschenbuch Verlag, 5. Auflage 2011, Zweiter Band (1844, überarbeitet 1859), Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 41, im Zweiten Band S. 571.

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 Ähnliche Aussagen Schopenhauers (eine kleine Auswahl):

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 "[…]; so dringt sich die Einsicht auf, daß das Leben ein Geschäft ist, dessen Ertrag bei Weitem nicht die Kosten deckt." (wie vor, Ergänzungen zum Zweiten Buch, Kapitel 28, im Zweiten Band S. 414) Vgl.: "[…] da das Leben, […], eigentlich ein stetes Leiden, oder wenigstens, […], ein Geschäft ist, welches die Kosten nicht deckt […]" (wie vor, Ergänzungen zum Zweiten Buch, Kapitel 19, im Zweiten Band S. 280)

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"[…] [M]an könnte zu dem Sterbenden sagen: »Du hörst auf, etwas zu seyn, welches du besser gethan hättest, nie zu werden.«" (wie vor, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 41, im Zweiten Band S. 582) Vgl.: "Wir sind im Grunde etwas, das nicht seyn sollte: darum hören wir auf zu sein." (wie vor, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 41, im Zweiten Band S. 589)

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 "Daraus [aus der Anstrengung des Organismus für die Aufrechterhaltung der Lebensprozesse] ist zu schließen, daß das gänzliche Aufhören des Lebensprocesses für die treibende Kraft desselben eine wundersame Erleichterung seyn muß: vielleicht hat dies Antheil an dem Ausdruck süßer Zufriedenheit auf dem Gesichte der meisten Todten. Ueberhaupt mag der Augenblick des Sterbens dem des Erwachens aus einem schweren, alpgedrückten Träume ähnlich seyn." (wie vor, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 41, im Zweiten Band S. 544) Vgl.: "Im Augenblick der tragischen Katastrophe [im "Trauerspiel", eig. Anmerk.: gemeint die Literaturgattung / das Theatergenre, nämlich die Vorführung der "schreckliche[n] Seite des Lebens"] wird uns, deutlicher als jemals, die Ueberzeugung, daß das Leben ein schwerer Traum sei, aus dem wir zu erwachen haben." (wie vor, Ergänzungen zum Dritten Buch, Kapitel 37, im Zweiten Band S. 504)

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 "Es ließe daher sich sogar fragen, […] ob nicht […] der eigene Tod uns im Grunde die fabelhafteste Sache von der Welt sei." (wie vor, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 41, im Zweiten Band S. 565)

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Schopenhauer wie vor, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 48, im Zweiten Band S. 703.

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  Vgl.: "Der Tod ist das Ergebniß, das Résumé des Lebens, oder die zusammengezogene Summe, welche die gesammte Belehrung, die das Leben vereinzelt und stückweise gab, mit Einem Male ausspricht, nämlich diese, daß das ganze Streben, dessen Erscheinung das Leben ist, ein vergebliches, eitles, sich widersprechendes war, von welchem zurückgekommen zu seyn eine Erlösung ist." (wie vor, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 49, im Zweiten Band S. 741)

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h Meine Wortwahl nach Sokrates (* 469 v. Chr., † 399 v. Chr., der selbst nichts Schriftliches verfasste), niedergeschrieben von Diogenes Laertios in Über Leben und Meinungen berühmter Philosophen, II. Buch, 5. Kapitel, 25 (3. Jahrh. n. Chr.).

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Dies würde bedingen, nichts mehr zu wollen, richtiger: nicht mehr leben zu wollen. Philosophisch (nach der Metaphysik Schopenhauers): den Lebenstrieb, der alle lebendige Materie prägt, überwunden zu haben.n - Materie = die objektivierte und individualisierte Erscheinung des metaphysischen blinden=erkenntnislosen=vernunftlosen Willens [zum Leben]. Siehe auch o.

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j Verkürzung nach René Descartes (*31.03.1596, †11.02.1650) in den Principia philosophiae, Kapitel 1, "ego cogito, ergo sum" (1644), bereits zuvor in Französisch im Discours de la méthode, Teil IV: "Je pense, donc je suis" = lateinisch: "ego cogito, ergo sum" (1637), dazwischen in den Meditationes de prima philosophia, Meditatio II, 3. und 6., "ego sum, ego existo" (1641). – Schopenhauer nennt "das Cogito ergo sum […] allein gewiß", den "wesentliche[n] und allein richtige[n]Ausgangspunkt und zugleich WAHRE[N] Stützpunkt aller Philosophie" (Arthur Schopenhauer Die Welt als Wille und Vorstellung, Gesamtausgabe Deutscher Taschenbuch Verlag, 5. Auflage 2011, Zweiter Band, Ergänzungen zum Ersten Buch, Kapitel 1, im Zweiten Band S. 12), weil "die große Wahrheit" ist, "daß nur dem Selbstbewußtseyn, also dem Subjektiven, unmittelbare Gewißheit zukommt; dem Objektiven, also allem Anderen, hingegen, als dem durch jenes erst Vermittelten, bloß mittelbar; daher dieses, weil aus zweiter Hand, als problematisch zu betrachten ist. Hierauf beruht der Werth des so berühmten Satzes." (Arthur Schopenhauer wie f, Kapitel 4, im Zweiten Band S. 45)

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k In seiner Untersuchung über das nicht bezweifelbare Fundament des Wissens, den Meditationes de prima philosophia (1641), sieht Descartes dieses Wissensproblem nicht. Weil er die Prämisse=Annahme setzt - so auch im Untertitel dieses Werkes zum Ausdruck gebracht: "in qua Dei existentia et animae immortalitas demonstratur [in welcher die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele bewiesen wird]" -, dass es Gott gibt und dass dieser "kein Betrüger ist", der den Menschen 1. mit der Wahrnehmung ausgestattet hat, einen Körper zu haben, also aus Fleisch und Blut zu sein, obwohl dem nicht so ist, 2. mit weiteren Wahrnehmungen, nämlich den wesentlichen von der Außenwelt - von sich in der Welt -, die nicht der Wirklichkeit entsprechen, z. B. bloß Träume sind.  

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l Deshalb spreche ich von Wahrscheinlichkeiten: von wahrscheinlichen Wahrscheinlichkeiten und von unwahrscheinlichen Wahrscheinlichkeiten. – Für eine (sehr) wahrscheinliche Wahrscheinlichkeit halte ich, dass es mich und Sie als selbstdenkende Wesen und uns alle in Fleisch und Blut und alles, was ich sonst in wachem und klaren Zustand wahrnehme, so wie ich es wahrnehme = tatsächlich gibt.

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m Gerhard Roth Über den Menschen, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage 2011, "Elftes Kapitel - Wie sicher ist unsere Erkenntnis?", S. 303, Satzzusammenfügung A. C., S. 301-302.

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n Unbestritten gibt es Gründe, mithin gute Gründe (wie im Übrigen ja wahrscheinlich zu jeder Meinung, Haltung und Überzeugung), anderer Auffassung zu sein; ich selbst kann solche nennen. Wirkliche/vollkommene/endgültige Erlösung, Heilung, Freiheit indes findet man nur in der Verneinung=Überwindung des Willens zum Leben: "Wahres Heil, Erlösung vom Leben und Leiden, ist ohne gänzliche Verneinung des Willens nicht zu denken." (Arthur Schopenhauer Die Welt als Wille und Vorstellung, Gesamtausgabe Deutscher Taschenbuch Verlag, 5. Auflage 2011, Erster Band, Viertes Buch, § 68, im Ersten Band S. 511)

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  Zu den unter f und g zitierten Aussagen Schopenhauers hier weitere (ebenfalls eine Auswahl):

      

 "Die ächte philosophische Betrachtungsweise der Welt, d. h. diejenige, welche uns ihr inneres Wesen erkennen lehrt und so über die Erscheinung hinaus führt, ist gerade die, welche nicht nach dem Woher und Wohin und Warum, sondern immer und überall nur nach dem WAS der Welt frägt, d. h. welche die Dinge nicht nach irgend einer Relation, nicht als werdend und vergehend, kurz, nicht nach einer der vier Gestalten des Satzes vom Grunde betrachtet; sondern umgekehrt, gerade Das, was nach Aussonderung dieser ganzen, jenem Satz nachgehenden Betrachtungsart noch übrig bleibt, das in allen Relationen erscheinende, selbst aber ihnen nicht unterworfene, immer sich gleiche Wesen der Welt, die Ideen derselben, zum Gegenstand hat. Von solcher Erkenntniß geht, wie die Kunst, so auch die Philosophie aus, ja, wie wir in diesem Buche finden werden, auch diejenige Stimmung des Gemüthes, welche allein zur wahren Heiligkeit und zur Erlösung von der Welt führt." (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 53, im Ersten Band S. 360-361)    

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 "[…] kommt der [eig. Ergänzung: metaphysische] WILLE durch seine Objektivation [eig. Anmerk.: Selbstdarstellung/Erscheinung in der Welt], […], zur Selbsterkenntniß, wodurch seine Aufhebung, Wendung, Erlösung, möglich wird." (wie vor, Zweiter Band, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 50, im Zweiten Band S. 748)

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 "[…] die Verneinung desselben ["des Willens zum Leben"] […] in Folge aufgegangener […] Erkenntniß, ist die Erlösung." (wie vor, Zweiter Band, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 48, im Zweiten Band S. 707)

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 "[…] der Wille zum Leben, welcher verneint werden muß, wenn Erlösung aus einem Daseyn, wie das unserige ist, erlangt werden soll." (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 70, im Ersten Band S. 520)

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  "Wenn es indessen beliebt, […]; so mag man, tropischer Weise [eig. Anmerk.: im übertragenen Sinne] und bildlich, die gänzliche Selbstaufhebung und Verneinung des Willens, die wahre Willenlosigkeit, als welche allein den Willensdrang für immer stillt und beschwichtigt, allein jene Zufriedenheit giebt, die nicht wieder gestört werden kann, allein welterlösend ist, […], - das absolute Gut, das summum bonum nennen, und sie ansehen, als das einzige radikale Heilmittel der Krankheit, gegen welche alle Güter, nur Palliativmittel, nur Anodyna [eig. Anmerk.: schmerzstillende Mittel] sind. In diesem Sinne spricht das Griechische τελος [eig. Anmerk.: Zweck, Ziel], wie auch finis bonorum [eig. Anmerk.: das höchste Gut], der Sache sogar noch besser. – So viel von den Worten GUT und BÖSE […]." (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 65, im Ersten Band S. 468)

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  "Wie mißlich es jedoch sei, als ein Theil der Natur zu existiren, erfährt Jeder an seinem eigenen Leben und Sterben. – Demnach ist allerdings das Daseyn anzusehen als eine Verirrung, von welcher zurückzukommen Erlösung ist, auch trägt es durchweg diesen Charakter." (wie vor, Zweiter Band, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 48, im Zweiten Band S. 703)  

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 "[…] weil aber alles Wollen Irrsal ist; so bleibt das letzte Werk der Intelligenz die Aufhebung des Wollens, dem sie bis dahin zu seinen Zwecken gedient hatte." (wie vor, Zweiter Band, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 48, im Zweiten Band S. 709)

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 "[…] das Aufgeben und Verneinen eben jenes Willens, die einzig mögliche Erlösung von der Welt und ihrer Quaal […]" (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 65, im Ersten Band S. 474)

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 "[…] daß wir in der vollkommenen Heiligkeit das Verneinen und Aufgeben alles Wollens und eben dadurch die Erlösung von einer Welt, deren ganzes Daseyn sich uns als Leiden darstellt, vor Augen haben […]" (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 71, im Ersten Band S. 524-525)

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 "Meistens muß […], durch das größte eigene Leiden, der Wille gebrochen seyn, ehe dessen Selbstverneinung eintritt. Dann sehen wir den Menschen, nachdem er durch alle Stufen der wachsenden Bedrängniß, unter dem heftigsten Widerstreben, zum Rande der Verzweiflung gebracht ist, plötzlich in sich gehen, sich und die Welt erkennen, sein ganzes Wesen ändern, sich über sich selbst und alles Leiden erheben und, wie durch dasselbe gereinigt und geheiligt, in unanfechtbarer Ruhe, Säligkeit und Erhabenheit willig Allem entsagen, was er vorhin mit der größten Heftigkeit wollte, und den Tod freudig empfangen. Es ist der aus der läuternden Flamme des Leidens plötzlich hervortretende Silberblick der Verneinung des Willens zum Leben, d. h. der Erlösung." (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 68, im Ersten Band S. 505)

    

  "Verneinung des Willens" = "gänzliche Resignation oder Heiligkeit" (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 68, im Ersten Band S. 511) Vgl.: "[…] wie durch diese Art der Erkenntniß [eig. Anmerk.: sich der "Dienstbarkeit" "des Willens" zu "entziehen, [nämlich] ihr Joch abwerfen und frei von allen Zwecken des Wollens rein für sich [zu] bestehen"], wenn sie auf den Willen zurückwirkt, die Selbstaufhebung desselben eintreten kann, d. i. die Resignation, welche das letzte Ziel, ja das innerste Wesen aller Tugend und Heiligkeit, und die Erlösung von der Welt ist." (wie vor, Erster Band, Zweites Buch, § 27, im Ersten Band S. 215)

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 "Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsers Wesen ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu denken ist: die wahre ursprüngliche Freiheit tritt wieder ein […]. Der Friede und die Beruhigung auf dem Gesichte der meisten Todten scheint daher zu stammen. Ruhig und sanft ist, in der Regel, der Tod jedes guten Menschen: aber willig sterben, gern sterben, freudig sterben, ist das Vorrecht des Resignirten, Dessen, der den Willen zum Leben aufgiebt und verneint. Denn nur er will WIRKLICH und nicht bloß SCHEINBAR sterben, folglich braucht und verlangt er keine Fortdauer seiner Person." (wie vor, Zweiter Band, Ergänzungen zum Vierten Buch, Kapitel 41, im Zweiten Band S. 591)

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"Alle wahre und reine Liebe […], ja selbst alle freie Gerechtigkeit, geht schon aus der Durchschauung des principii individuationis o hervor, welche, wenn sie in voller Kraft eintritt, […] gänzliche Heiligung und Erlösung herbeiführt, deren Phänomen der oben geschilderte Zustand der Resignation, der diese begleitende unerschütterliche Friede und die höchste Freudigkeit im Tode ist." (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 68, im Ersten Band S. 511-512) Vgl.: "[…] wie die Liebe, als deren Ursprung wir die Durchschauung des principii individuationis erkennen, zur Erlösung, nämlich zum gänzlichen Aufgeben des Willens zum Leben, d. h. alles Wollens, führt […]" (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 66, im Ersten Band S. 483)

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 "Kommt endlich der Tod [nach "Askesis […], freiwilliger und absichtlicher Armuth […]"1, "Fasten, ja […] Kasteiung und Selbstpeinigung, um durch stetes Entbehren und Leiden den Willen mehr und mehr zu brechen und zu tödten, den er als die Quelle des eigenen und der Welt leidenden Daseyns erkennt und verabscheut"], der diese Erscheinung jenes Willens auflöst [eig. Anmerk.: des metaphysischen Willens], dessen Wesen hier, durch freie Verneinung seiner selbst, schon längst, bis auf den schwachen Rest, der als Belebung dieses Leibes erschien, abgestorben war; so ist er, als ersehnte Erlösung, hoch willkommen und wird freudig empfangen." (wie vor, Erster Band, Viertes Buch, § 68, im Ersten Band S. 492, 1 S. 491)

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Dem freilich wird, wer religiös gläubig ist, nicht oder nur mit Einschränkung zustimmen.

    

Dass der Tod "Erlösung", "Freiheit" bedeutet, sah auch Michel de Montaigne (*28.02.1533, †13.09.1592) so: "Das Vorbedenken des Todes ist Vorbedenken der Freiheit." (Michel de Montaigne Essais, Übersetzung Hans Stillet, Eichborn Verlag 1998, Erstes Buch, "20 - Philosophieren heißt sterben lernen", S. 48) Wer möglichst lange leben will, das grundsätzlich für geboten hält, geneigt ist seinen eigenen Tod und den seiner Liebsten zu verdrängen, ja wer den Tod verachtet und wem das Hauptwerk Schopenhauers (Die Welt als Wille und Vorstellung) zu schwer zu lesen und zu lang ist, dem empfehle ich Montaignes kurzweiligen leicht und schnell zu lesenden Essay Philosophieren heißt sterben lernen. (Sende ich bei Interesse gerne zu.)   

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o "Das Individuationsprinzip, principium individuationis: (lat.) das die Individualität, die Besonderung der Weltsubstanz in Einzelwesen Bedingende und dadurch die Vielheit der individuellen Wesenheiten Ermöglichende und Erklärende; der Seinsgrund der Einzelwesen. Nach Schopenhauer ist dieses Prinzip in Raum und Zeit gegeben." (Arthur Schopenhauer Über die Freiheit des menschlichen Willens und Über die Grundlage der Moral, Diogenes Schopenhauer Kleinere Schriften II 2017, Glossar S. 325) Vgl.: "[…] werde ich, mit einem aus der alten eigentlichen Scholastikp entlehnten Ausdruck, Zeit und Raum das principium individuationis nennen, welches ich ein für alle Mal zu merken bitte. Denn Zeit und Raum allein sind es, mittelst welcher das dem Wesen und dem Begriff nach Gleiche und Eine doch als verschieden, als Vielheit neben und nach einander erscheint: sie sind folglich das principium individuationis […]." (Arthur Schopenhauer Die Welt als Wille und Vorstellung, Gesamtausgabe Deutscher Taschenbuch Verlag, 5. Auflage 2011, Erster Band, Zweites Buch, § 23, im Ersten Band S. 166-167 sowie an vielen anderen Stellen)

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  Zeit und Raum sind "die beiden Formen der empirischen Vorstellungen" (Arthur Schopenhauer Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde in der von Schopenhauer bearbeiteten Fassung von 1847, "Viertes Kapitel - Ueber die erste Klasse der Objekte für das Subjekt und die in ihr herrschende Gestaltung des Satzes vom zureichenden Grunde", "§ 18 Umriß einer transscendentalen Analysis der empirischen Realität", Diogenes Schopenhauer Kleinere Schriften I 2017, S. 44, Kursivsetzung A. C.)

  

 Zeit ist Ermöglichung des "Nacheinander", Raum die Ermöglichung des "Nebeneinander" (wie vor, Schopenhauer Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, S. 44).

   

  Materie ist die "Wahrnehmbarkeit" von Zeit und von Raum (wie vor, Schopenhauer Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, S. 44) also ist Materie - und damit die ganze Welt - nur Vorstellung. Ausführliche Begründung in Schopenhauer Die Welt als Wille und Vorstellung.

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p "Scholastik: (lat. schola = Schule) die Philosophie des Mittelalters, die unter Einbeziehung der Lehre des Aristoteles die christlichen, in den Dogmen niedergelegten Wahrheiten als Grundlage des Wissens betrachtete." (Arthur Schopenhauer Über die Freiheit des menschlichen Willens und Über die Grundlage der Moral, Diogenes Schopenhauer Kleinere Schriften II 2017, Glossar S. 332)